22. Januar 2018

KDE neon - Einrichtung als Alltags System und Installation nützlicher Programme

Linux Mint hat letzten Oktober angekündigt, dass Linux Mint 18.3 die letzte KDE Edition sein wird. Die Distribution wird bis 2021 mit Updates versorgt, deshalb gibt es keinen Grund für einen schnellen Wechsel.

Trotzdem lohnt es, sich schon einmal nach einer anderen Distribution umzuschauen, wenn KDE der Wunsch-Desktop bleiben soll. Einerseits ist es immer interessant, mehr aus der Linux-Welt kennen zu lernen, andererseits bleibt so die Zeit zum Ausprobieren und Testen.

KDE neon ist ein Paket Archiv, dass sich schnell in ein Produktivsystem verwandeln lässt.
Source Image: Bild: eigen, Logo: KDE Community Lizenz: CC BY-SA
KDE neon ist ein schlankes und schnelles System, das eine User Edition bereithält.

 

KDE neon ist laut den Entwicklern keine eigene Distribution, sondern ein Paket-Archiv. Allerdings lässt sich KDE Neon mit ein paar Anpassungen durchaus in ein Produktivsystem verwandeln. Da KDE Neon nur spartanisch ausgestattet daherkommt, müssen Standard-Programme wie Text- und Bildverarbeitung selbst installiert werden.

KDE neon beruht auf einer Ubuntu Langzeitversion mit der jeweils neuen KDE-Software.

Installation als verschlüsseltes LVM im Multiboot-System

Ich lasse mir meist etwas Platz auf der Festplatte zur Installation und zum Ausprobieren anderer Distributionen. 40-70 Gigabyte sind dafür auf jeden Fall ausreichend, und lassen auch noch Platz auf der Home-Partition.

Die Installation von KDE neon ist schnell gemacht. Wer Ubuntu/Kubuntu/Linux Mint gewöhnt ist, wird mit der Installation von KDE neon keine Probleme haben.

Manche wollen es vielleicht erst mal nebenher neben anderen Linux Systemen installieren.

Als verschlüsseltes System in einer Dual/Multiboot-Umgebung wird KDE Neon genauso installiert, wie ich es im Post "Installation von verschlüsseltem Dualboot System mit Linux Mint KDE und LMDE" (Bios Legacy) beschrieben habe, dort siehe vor allem Teil 1 und 3.

Installation als verschlüsseltes System im Überblick

Zuerst wird eine ISO von der Downloadseite heruntergeladen und auf einem USB-Stick installiert. Es gibt zwei User- und zwei Developer Editionen. Ich bleibe erst mal konservativ und installiere die User-LTS-Version, die mit Updates versorgt wird, bis Ubuntu 18.04 herauskommt.

Edit: Die User-LTS Version ist zwar noch vorhanden, aber versteckt. Es wird empfohlen, die normale User Edition zu verwenden, wie die Entwickler in einem Blogpost schreiben.

Partitionen und LVM vorbereiten

Mit dem USB-Stick wird KDE Neon in einer Live Session gebootet. In dem noch freien Platz auf der Festplatte werden zwei Partitionen vorbereitet, eine kleine als Bootpartition, und eine große Partition für den Rest. Dieser Rest wird einmal komplett verschlüsselt. Auf der verschlüsselten Partition wird ein LVM eingerichtet, und in diesem "Logical Volumes" für Root (Systemdateien) und Home (Nutzerdateien) eingerichtet.

Installer durchlaufen lassen

Manuelle Installation von KDE neon im Multiboot-Verband - Einrichtung der Bootpartition
Manuelle Installation von KDE neon im Multiboot-Verband; Einrichtung der Bootpartition.
Wenn KDE neon nicht das Hauptsystem wird, sollte das Gerät für die Bootloader die entsprechende Partition sein (hier /dev/sda7)

Danach wird der Installer gestartet (Button oben links). Die Einrichtung der Festplatten wird manuell vorgenommen. Dort werden noch einmal die System- und Nutzerdateien den richtigen Orten auf der Festplatte zugeordnet. Ebenso wird die Bootpartition zugewiesen. Ist KDE neon nicht das Hauptsystem, dann ist das Gerät für die Bootloader Installation auch die jeweilige Partition (z.B. /dev/sda7 statt /dev/sda).

Nachdem der Installer durchgelaufen ist, werden im Terminal noch ein paar Anpassungen vorgenommen.

Eintragung ins Bootmenü

Danach wird das Live System heruntergefahren und das Hauptsystem gestartet. Dort wird in der Datei /etc/grub.d/40_custom das neue Betriebssystem eingetragen, damit es beim nächsten Bootvorgang im Auswahlmenü erscheint. Die vorzunehmenden Eintragungen stehen in der Bootpartition von KDE neon, dort in der Datei /boot/grub/grub.cfg (lässt sich mit dem Dateimanager Dolphin im Hauptsystem einhängen).

Gibt es später mal ein Kernel Update, muss an dieser Stelle die neue Version eingetragen werden.

Für eine genauere Anleitung bitte dem Link oben folgen.

Installation von Programmen und nützlichen Tools

Wichtigste Programme

LibreOffice

Die Standard-Einrichtung von KDE Neon ist eher mager. Für ein Betriebssystem, das im Alltag seinen Dienst tun soll, gibt es noch ein paar unverzichtbare Programme wie z. B. eine Textverarbeitung, Bildverarbeitung, ein Mailprogramm und einige andere unerlässliche Tools, die nachinstalliert werden müssen. Da KDE Neon auf Ubuntu LTS beruht, sind Programme aus den Ubuntu Paketquellen verfügbar.

Das weit verbreitete LibreOffice ist unverzichtbar. Hier die Installation zusammen mit deutschen Sprachpaketen.

sudo apt install libreoffice libreoffice-gtk3 libreoffice-style-* libreoffice-help-de libreoffice-l10n-de hunspell-de-de language-pack-kde-de 

KMail und Kontact

Als Mailprogramm ist KMail meine Wahl.

Wer eine umfangreiche Suite mit Kalenderfunktion, Notizbüchern, und einem RSS-Reader mag, sollte sich den KDE "Personal Information Manager" Kontact installieren.

sudo apt-get install kontact kmail kaddressbook korganizer kjots

Wem das zuviel ist, installiert sich nur benötigte Einzelteile, z.B. KMail, Adressbuch, und Kalender.

sudo apt install kmail kaddressbook korganizer

Gimp

Der Bildbetrachter Gwenview ist bereits installiert. Als Bildbearbeitungsprogramm bietet sich Gimp an.

sudo apt install gimp gimp-plugin-registry

Amarok

Der Videoplayer VLC ist bereits in der Standardinstallation enthalten. Das Audioprogramm Amarok muss noch installiert werden.

sudo apt install amarok

Administrative Tools

Synaptic Paketverwaltung

 

Die Synaptic Paket-Verwaltung gibt immer einen guten Überblick über die installierten Programme.
Die Synaptic Paket-Verwaltung gibt immer einen guten Überblick über die installierten Programme.

KDE Neon hat bereits Discover als Softwarverwaltung mit an Bord. Ich arbeite lieber mit Synaptic. Auch ein Partitionsmanager darf nicht fehlen.

sudo apt install synaptic partitionmanager

KeePassXC

Es braucht auch eine Passwortverwaltung, die mit KeePassXC schnell installiert ist. Da KeePassXC zur Zeit noch nicht in den Paketquellen von Ubuntu enthalten ist, muss noch ein offizielles KeePassXC Repository eingefügt werden.

sudo add-apt-repository ppa:phoerious/keepassxc
sudo apt update
sudo apt install keepassxc

Bleachbit, Taschenrechner und Startmedienersteller

Ein Tool zum Aufräumen darf natürlich nicht fehlen.

sudo apt install beachbit

Weitere Tools sind der Taschenrechner und ein Startmedienersteller.

sudo apt install kcalc usb-creator-kde

Treiberverwaltung und weitere Einrichtung

Treiberverwaltung

Eine grafische Benutzeroberfläche für die Treiberverwaltung bringt KDE Neon bisher nicht mit. Das kann mit einem

sudo apt install kubuntu-driver-manager

nachgeholt werden. Die Treiberverwaltung findet sich dann unter Systemeinstellungen → Hardware. Alternativ können Treiber mit dem Kommandozeilentool ubuntu-drivers-common (ist schon installiert) verwaltet werden.

Der Befehl

sudo ubuntu-drivers devices

listet zusätzlich benötigte Treiber samt dem Paketnamen auf. Mit

sudo ubuntu-drivers autoinstall

werden sie (ohne Rückfrage) installiert. Bei mir war das z.B. das Paket intel-microcode. Das lässt sich natürlich auch normal mit

sudo apt install intel-microcode #Beispiel!

installieren.

Sortieren eigener Wallpapers, Schriftarten, und Farbprofile

Schon vorhandene Wallpapers können nach /home/USER/.local/share/wallpapers kopiert werden, sie werden dann unter "Einstellungen für Arbeitsfläche" (Rechtsklick auf dem Desktop) angezeigt. Vorhandene Schriftarten kommen nach /home/USER/.fonts, dort werden sie von den meisten Programmen gefunden. Farbprofile kommen nach /home/USER/.color/icc.

Damit ist KDE Neon schon nutzbarer geworden, und hat den asketischen Charakter verloren. Einige weitere Beispiele der Einrichtung habe ich bei "Linux Mint 18 KDE einrichten - Benutzerfreundlichkeit & Sicherheit nach Neuinstallation" beschrieben. Da sowohl Linux Mint wie auch KDE Neon auf Ubuntu basiert, lässt sich das meiste übertragen.

GTK-Themes anpassen bei Programmen, die mit Root-Rechten laufen

Manche Programme (z.B. Synaptic), die mit Root-Rechten laufen, passen nicht in das Breeze Theme, obwohl es in den Systemeinstellungen (→ Anwendungsstil → GNOME Anwendungsstil (GTK) → GTK Designs) so eingestellt ist.

sudo cp -R /home/USER/.config/gtk-3.0 /root/.config

schafft hier Abhilfe.

Ist KDE neon eine Distribution oder nicht?

Die offizielle Website von KDE neon beantwortet die Frage nach einer Distribution klar in den FAQ: " Not quite, it's a package archive with the latest KDE software on top of a stable base."

Bei einer Distribution geht eine*r davon aus, dass der Fokus auf einem System liegt, in dem Benutzerfreundlichkeit, Verlässlichkeit, Stabilität und Sicherheit Vorrang haben.

Andersherum muss das nicht heißen, dass bei einem Paket Archiv diese Eigenschaften fehlen. Ich hatte mit mehr Anfangsschwierigkeiten gerechnet. Die Installation und Einrichtung gestaltete sich dann aber doch sehr einfach. Probleme gab es bislang kaum, höchstens, dass ich einige Sachen nachlesen musste. Wer von Linux Mint KDE oder Kubuntu kommt, dem*der sollte vieles vertraut vorkommen. Ein Unterschied ist, dass bei KDE neon naturgemäß mehr Updates kommen.

Auch wenn es nicht als Distribution gedacht ist, werden es viele sicher als Betriebssystem nutzen (für die meisten gibt es nur wenig andere Szenarien). Der erste Eindruck ist wirklich angenehm: KDE neon ist schnell, schlank, und enthält nach der Einrichtung (fast) nur die Programme, die eine*r auch wirklich braucht. Das ist natürlich recht attraktiv an einem System.

Der Desktop von KDE neon mit Plasma 5.
KDE neon kommt mit Plasma 5 daher. Ein Passwortmanager und Taschenrechner sollten im Produktivsystem nicht fehlen. Diese Apps müssen später noch nachinstalliert werden.

 

Ich glaube nicht, dass es sehr viel Erfahrung mit Linux braucht, um KDE neon zu nutzen. Allerdings muss eine*r sich bei Fragen oder Problemen selbst kundig machen. Manches läuft nicht out-of -the-box, und manchmal dauert es eine Weile, bis klar ist, welches Paket überhaupt fehlt. Bei Systemen, die noch nicht so lang entwickelt werden können natürlich auch schneller Bugs auftreten.

Da KDE neon einen kleinen Nutzerkreis hat, gibt es nicht so viel "drumrum", nicht so viele Ankündigungen, Mitteilungen oder Howtos.

Es gibt ein allerdings ein großes KDE-Forum (mit einem KDE neon-Teil), und ein großes Ubuntu Wiki/Forum. Viele grundlegende Fragen sind dort bereits beantwortet. --

Mit der User Edition gibt es auch einen stabilen Zweig, der - wie der Name schon sagt - eben für Nutzer ausgelegt ist. Die offizielle Beschreibung lautet: "Ideal for everyday users." - also gut für die alltägliche Nutzung:)

Da der erste Look&Feel war sehr gut, und es macht Spaß, mit KDE neon zu arbeiten. Ich hatte noch keinen Umstieg geplant, mir aber jetzt einige Aufgaben für dieses System eingerichtet. So kann ich nebenher die Entwicklung verfolgen.


Getestet mit: KDE neon 5.8

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